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Der folgende Artikel erschien bei BahnInfo
  • am 07.01.2010
  • auf der Aktuellseite Berlin-Brandenburg
  • in der Kategorie S-Bahn

Vorentscheidung für S-Bahn-Zukunft getroffen

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat nun eine Vorentscheidung für die Zukunft der Berliner S-Bahn nach Auslauf des derzeit gültigen Verkehrsvertrages im Jahr 2017 getroffen. Senatorin Ingeborg Junge-Reyer verkündete bei einer Pressekonferenz am heutigen Donnerstag die drei verbliebenen Optionen, die nun bis spätestens Dezember 2010 noch geprüft werden.

Variante 1
Etwa 1/4 der S-Bahnleistung wird ausgeschrieben. Hierfür müssen 190 Viertelzüge neu beschafft werden, um die Baureihen 480 und 485 zu ersetzen. Das Linienbündel wird bis Februar zusammen mit dem VBB ausgearbeitet.

Variante 2
Die in Variante 1 genannte Leistung wird direkt an die langseigene BVG vergeben.

Variante 3
Die Berliner S-Bahn wird kommunalisiert und durch das Land Berlin übernommen.

Variante 3 ist die beliebteste Variante bei der Linkspartei, gilt derzeit aber als unwahrscheinlich, da seitens der Bahn keinerlei Verkaufsbereitschaft besteht. Die höchste Realisierungschance hat Variante 1, da die BVG einer Übernahme der S-Bahn eher ablehnend gegenübersteht.

Geprüft werde außerdem, ob die Fahrzeuge vom neuen Betreiber, oder durch die Stadt beschafft und als Fahrzeugpool dem Betreiber zur Verfügung gestellt werden.

Junge-Reyer erklärt: „Die Vergabe der Leistungen wird etwa 1 ½ Jahre dauern, da den Unternehmen ausreichend Zeit gegeben werden muss, ein Angebot für derartig komplexe Leistungen zu kalkulieren. Zudem rechnen wir damit, dass die Fahrzeugindustrie etwa 5 ½ Jahre benötigt, um 190 Neufahrzeuge für die S-Bahn zu entwickeln, zu erproben und zu bauen. Wir müssen daher bis spätestens Januar 2011 entscheiden, ob und wie wir das mit Neufahrzeugen zu bedienende Teilnetz vergeben wollen.“ Der Angst vor der Zersplitterung des Netzes entgegnet sie: "Über vertragliche Vorgaben und wirksame Sanktionen sorgen wir dafür, dass unterschiedliche Unternehmen im Netz reibungsfrei zusammenarbeiten. Zudem ist die Senatsverwaltung als Aufgabenträger bereits heute mit der Festlegung der Vorgaben für die Rahmenfahrpläne betraut. Mit Hilfe dieser Rahmenfahrpläne wird auch in Zukunft dafür gesorgt, dass den Fahrgästen ein integriertes, einheitliches Angebot auf der Schiene zur Verfügung steht.".

Zudem erwägt das Land Berlin eine Bundesratsinitiative mit dem Ziel den Eigentümer Bund gegenüber der Führung der Deutschen Bahn AB zu stärken und so Belange des Allgemeinwohls besser durchsetzen zu können. Auch eine Regionalisierung von Spezialnetzen, wie das der Berliner S-Bahn, wird nach dem Vorbild der Schweiz gefordert.

Die Deutsche Bahn AG erarbeitet derzeit die Konzepte, um schnellstmöglich zum Normalfahrplan zurückkehren zu können, nachdem nun die Fristsetzungen mit dem Eisenbahnbundesamt endgültig geklärt sind. Ende Januar soll der "Fahrplan" dafür verkündet werden. Als Ziel wurde bereits der Dezember 2010 benannt, was ein Jahr Verspätung gegenüber dem ursprünglichen Versprechen bedeutet. Zudem wurde bereits die Wiedereröffnung der Werkstätten Friedrichsfelde und Erkner bekanntgegeben.

Nach einem Gespräch mit Bahnvorstand Homburg hatte Junge-Reyer das Jahr 2013 als Rückkehr zum Normalbetrieb benannt, was anschließend seitens der Bahn dementiert wurde. Junge-Reyer erklärte heute, sie glaube Homburg kein Wort mehr, was einmal mehr zeigt, wie zerrüttet das Vertrauensverhältnis zwischen Bahn und Senat derzeit ist. Zudem steht Homburg unter wachsender Kritik, da von der angekündigten lückenlosen Aufklärung der Vorgänge bei der S-Bahn bisher nicht viel zu sehen ist. Vielmehr besteht der Eindruck, dass die DBAG die Vorgänge schlichtweg aussitzen will, unter anderem auch, weil der Vorstand von DB Stadtverkehr, der direkten Muttergesellschaft der Berliner S-Bahn, noch immer im Amt ist.

Vermehrte Kritik musste die Bahn in den letzten Tagen auch für die Mangelhafte Informationspolitik einstecken (BahnInfo berichtete). So kritisierte der Tagesspiegel, dass zu den veränderten Fahrzeugeinsätzen und verkürzten Linienführungen teilweise nicht einmal mehr Pressemitteilungen herausgegeben werden.

(Tom Gerlich, 07.01.2010)

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