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Kommentar

Ermittlungsbericht: Bei der Berliner S-Bahn nichts Neues

Viel hat man sich vom Ermittlungsbericht, der am Dienstag vorgelegt wurde, versprochen: Ross und Reiter sollten genannt werden, ein Schlussstrich unter die Zeit des S-Bahnchaos gezogen werden. Fahrgäste, Aufgabenträger und Politiker hofften auf eine endgültige Aussage. Auf Fahrgastsprechtagen und wissenschaftlichen Veranstaltungen wurde auf jede Frage zur Vergangenheit mit eben jenen Hinweis, dass Ermittlungen einer unabhängigen Rechtsanwaltskanzlei stattfänden, die im Konzern freie Hand hätte und schonungslos aufdecken würde wie es zur größten „Betriebsstörung“ des Eisenbahnverkehrs überhaupt kommen konnte.

Doch wurden die Leser des Berichts enttäuscht. Wir sind nicht schlauer als vorher: Dass die Baureihe 481 eine nicht gelungene Fahrzeugkonstruktion ist, hatte sich schon vorher herumgesprochen. Inwiefern das Fehlverhalten bestimmter Führungskräfte Schuld ist, wurde nicht genauer als schon vermutet konkretisiert. Der Fahrzeughersteller weist weiterhin jede Schuld von sich. Der Mutterkonzern, die Deutsche Bahn, weist weiterhin jeden Zusammenhang mit Konzernvorgaben, wie das Ziel 125 Mio € Gewinn im Jahr 2009 einzufahren, von sich. Der Verkehrsverbund und die Politik können weiterhin nur schimpfen und anmahnen. Wirksame Mittel für Sanktionen haben beide nicht in der Hand: Der Verkehrsvertrag sieht nicht ausreichend hohe Strafen vor. Bei den Entschädigungsregelungen sind die Fahrgäste auf die Gutmütigkeit des Unternehmens angewiesen und müssen feststellen, dass Entschädigungen erst sehr spät gezahlt werden.
Die Einzigartigkeit des Berliner S-Bahn-Systems verbietet einen schnellen Betreiberwechsel und somit spürbare Konsequenzen für den heutigen Betreiber. Was die Fehler der Vergangenheit anbelangt müssen nun die Ermittlungen des Staatsanwaltes abgewartet werden. Das Thema wird die Berliner vermutlich noch so lange beschäftigen wie der Betrieb nur eingeschränkt möglich. Und dies wird -aus der Erfahrung der nicht eingehaltenen Termine aus der Vergangenheit- noch sehr lange dauern.

(Patrick Schardien, 24.02.2010)

Licht und Schatten bei der Berliner S-Bahn

Bild zum Beitrag

Licht und Schatten bei der S-Bahn

Erneut liegen bei der Berliner S-Bahn Licht und Schatten dicht zusammen. So überstand die S-Bahn das schneereiche Wochenende verhältnismäßig gut und hatte am Montag schon wieder 302 Viertelzüge, darunter jedoch einige antriebslose "Lastensegler", im Einsatz und damit eine Steigerung gegenüber der Vorwoche erreicht. Dennoch fehlen weiterhin Fahrzeuge, um den aktuell gültigen Notfahrplan vollständig zu fahren. Mit der Wiedereröffnung der Werkstätten Friedrichsfelde und Erkner, sowie der Einführung des 24h-Betriebs in Oranienburg, (BahnInfo berichtete) sollte die Fahrzeugverfügbarkeit, trotz der erhöhten Ausfälle durch Motorschäden, in den nächsten Wochen wieder ansteigen. Dass Kundeneingaben durchaus ernstgenommen werden, zeigt die S-Bahn bei der Gleiswahl in Schöneweide, wo der Anschluss zwischen verkürzter S47 und S8 derzeit nur in eine Richtung möglich ist. Die Rückkehr des "S-Bahn-Ergänzungsverkehrs" ist zu begrüßen, die Nutzung steigt trotz des schlechten Fahrplans bereits wieder und so fordert der Fahrgastverband IGEB erneut die Beibehaltung dieser Züge (mit künftig besserer Fahrplangestaltung) bis zur Umsetzung der 1. Stufe des "Netzes Stadtbahn" im Dezember 2011.

Dennoch zeigt sich weiterhin ein großes Defizit bei der Fahrgastinformation. Noch immer gibt es auf der S-Bahn-Homepage keine tagesaktuelle Linienübersicht für Haupt- und Verstärkerzuggruppen, wie das im Sommer der Fall war. Nur die Einschränkungen zum eingeschränkten Notfahrplan werden noch bekanntgegeben.

Am Montag und Dienstag kam es immer wieder zu Störungen im Betriebsablauf und daraus folgend größeren Taktlücken. Besonders hart traf es am Dienstag die Stadtbahn. Ein Notarzt wurde zum Bahnhof Alexanderplatz gerufen, um eine hilflose Person im Zug der S3 Richtung Westkreuz zu versorgen. Der folgende Zug sollte daher auf dem anderen Gleis in den Bahnhof einfahren. Doch eine der im Regelbetrieb nicht benötigten Weichen erreichte keine Endlage, sodass sich die Fahrstraße nicht einstellte und das Signal auf "rot" stehenblieb. Entgegen der Behauptung der Deutschen Bahn, gab es laut Tagesspiegel offenbar über 40 Minuten hinweg keine Information an die Fahrgäste im Zug, sodass einige Fahrgäste die Geduld verloren und eigenmächtig den Zug verließen. Wegen der bestehenden Lebensgefahr, musste der Strom abgestellt und der komplette Verkehr auf der Stadtbahn für weitere 20 Minuten eingestellt werden. Durch den fehlenden Strom fielen auch die Heizungen im Zug aus. Nach zirka 60 Minuten Wartezeit konnte der Zug schließlich seine Fahrt fortsetzen.

Bereits im Sommer gab es einen ähnlichen Zwischenfall am Bahnhof Friedrichstraße, wo ebenfalls Fahrgäste eigenmächtig den Zug verließen. Ende November blieb ein Regional Express mit rund 1.000 Fahrgästen etwa 3h wegen eines Oberleitungsschadens am Bahnhof Grunewald liegen. Die Bundespolizei verhinderte den Ausstieg von Fahrgästen, eine Evakuierung wurde jedoch nicht vorgenommen. In beiden Fällen beschwerten sich Fahrgäste anschließend ebenfalls über fehlende Informationen.

Es bleibt zu hoffen, dass die Deutsche Bahn aus diesen Vorfällen lernt, denn das Frustpotential der Fahrgäste steigt mit jeder Störung. Die Fahrgäste wünschen Informationen und am ehesten entspannt sich die Lage, wenn diese schnell und "ehrlich" gegeben werden. Eine Ansage des Fahrers nach spätestens 5 Minuten, er stünde vor einem roten Signal und wüsste noch nicht was los ist, ist für die meisten Fahrgäste angenehmer als das Schweigen der Lautsprecher. Je länger die anschließende Standzeit ist, desto größer ist die Gefahr, dass jemand leichtsinnig wird und aussteigt. Dies sollte auch die in solchen Situationen stark geforderten Fahrdienstleiter im Hinterkopf haben.

Fahrgäste sollten sich hingegen klar machen, dass ein eigenmächtiger Ausstieg durch die folgende Streckensperrung nicht nur wensentlich mehr Personen beeinträchtigt und strafbar ist, sondern in erster Linie lebensgefährlich ist und die Gefahr nicht nur von der Stromschiene, sondern auch von anderen Zügen und weiteren Faktoren ausgeht!

Ende Januar will die Deutsche Bahn AG verkünden, wie der Rückweg zum Normalfahrplan gelingen soll - Fortsetzung folgt...

(Foto: Verspäteter Zug der S3 kehrt direkt über Gleis 9 am Ostbahnhof - Tom Gerlich)

(Tom Gerlich, 12.01.2010)
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